KIEW, 6. Juli (Berlin Morgen Zeitschrift) – Russische Streitkräfte haben die Ukraine am frühen Montagmorgen mit einer massiven Welle aus Raketen und Drohnen überzogen. Dabei kamen mindestens 26 Menschen ums Leben. Die Angriffe verdeutlichen einen kritischen Mangel an in den USA hergestellten Abfangraketen.
Das Bombardement ereignete sich nur wenige Tage nach dem bisher tödlichsten Angriff auf die ukrainische Hauptstadt in diesem Jahr. Rettungskräfte suchen weiterhin in den Trümmern eines Hochhauses in der Hauptstadt nach Verschütteten.
Massive Schäden in der Hauptstadt
Die Luftangriffe trafen Wohngebiete schwer. In Kyiv starben laut Angaben der Notdienste mindestens 16 Personen. Weitere zehn Todesopfer wurden aus der umliegenden Region gemeldet. Besonders betroffen ist der Ort Vyshneve, wo zahlreiche Wohngebäude durch die Druckwellen und Einschläge schwer beschädigt wurden. Innenminister Ihor Klymenko berichtete von fast 30 massiv zerstörten Gebäuden allein im Stadtgebiet von Kyiv. Augenzeugen berichteten von chaotischen Szenen, während Einsatzkräfte versuchten, Menschen aus den instabilen Ruinen zu bergen.
Kritische Lücken bei Patriot-Systemen
Die ukrainische Luftwaffe bestätigte, dass sie keine der 23 abgefeuerten ballistischen Raketen abfangen konnte. Diese Waffensysteme stellen aufgrund ihrer hohen Geschwindigkeit und steilen Flugbahn eine enorme Herausforderung dar. Die Ukraine ist bei der Abwehr dieser Geschosse zwingend auf Patriot-Abfangraketen angewiesen. Daten der Luftwaffe zeigen, dass in diesem Monat bisher nur vier von insgesamt 49 ballistischen Raketen unschädlich gemacht werden konnten. Die Lagerbestände an dieser lebenswichtigen Munition neigen sich dem Ende zu.
Appell an internationale Partner
Präsident Wolodymyr Selenskyj äußerte sich in seiner abendlichen Videoansprache deutlich zu der prekären Sicherheitslage. Er forderte eine drastische Erhöhung der weltweiten Produktion von Abfangsystemen, um den Schutz der Bevölkerung zu gewährleisten.
„Es ist einfach absurd, dass die Produktion in der modernen Welt immer noch nicht auf das Niveau skaliert wurde, das eigentlich erforderlich ist, um Menschen vor ballistischem Terror zu schützen“, sagte Selenskyj.
Er betonte, dass die Ukraine über das nötige Know-how verfüge, um die Patriot-Systeme bei Erhalt entsprechender US-Lizenzen selbst zu fertigen. Dies könnte nicht nur den Schutz des eigenen Landes sichern, sondern auch Partnerstaaten unterstützen. Die Regierung hofft nun auf entscheidende Impulse beim anstehenden NATO-Gipfel in der Türkei, wo Selenskyj mit US-Präsident Donald Trump zusammentreffen soll.
Eskalation des Luftkriegs
Das russische Verteidigungsministerium erklärte, es habe gezielt militärische Einrichtungen und Energieanlagen angegriffen. Neben dem Großraum Kyiv wurden auch Militärflugplätze in anderen Landesteilen ins Visier genommen. Beobachter sehen in der Intensivierung der Luftschläge eine direkte Reaktion Russlands auf den schleppenden Fortschritt der eigenen Bodentruppen. Während die Frontlinien über 1.200 Kilometer weitgehend statisch bleiben, versucht Moskau, die ukrainische Logistik durch den anhaltenden Luftkrieg zu zermürben.
Gegenmaßnahmen und weitere Opfer
Trotz der schweren Verluste setzt die Ukraine ihre eigenen Angriffe gegen russische Ziele fort. Kyiv meldete Treffer gegen drei russische Ölraffinerien, darunter die größte Anlage in Omsk. Auch im Asowschen Meer wurden zwei Schiffe der sogenannten Schattenflotte attackiert. Dennoch bleibt die Lage für die Zivilbevölkerung dramatisch. Im südöstlich gelegenen Saporischschja kamen zudem zwei weitere Menschen bei einem Drohnenangriff auf eine Tankstelle ums Leben. Die Rettungsarbeiten in Kyiv dauerten auch am Montagnachmittag bei Temperaturen unter der Last der eingestürzten Betonmassen an.


























