ILLE-SUR-TET, 6. Juli (Berlin Morgen Zeitschrift) – Ein außer Kontrolle geratener Waldbrand hat im Süden Frankreichs am Montag zur Evakuierung von über 10.000 Menschen geführt. Die betroffenen Bewohner stammen aus rund zwei Dutzend kleinen Städten und Dörfern in unmittelbarer Nähe zur spanischen Grenze.
Offizielle Stellen warnten am Montag, dass anhaltend starke Winde die Flammen weiter anfachen könnten und die Löscharbeiten somit massiv erschweren.
Der Brand hat bereits zu Verletzungen geführt. Nach Angaben des lokalen Präfekten Pierre Regnault de la Mothe wurden bisher 16 Personen verletzt, darunter vier Feuerwehrleute. Die Flammen haben schätzungsweise 4.600 Hektar Land in den Ausläufern der französischen Pyrenäen vernichtet.
Internationale Unterstützung für Frankreich
Angesichts der kritischen Lage hat die Europäische Union am Montag umfassende Hilfe zugesagt. Die EU-Kommission entsendet vier spezielle Löschflugzeuge aus Zypern und Schweden, um die lokalen Einsatzkräfte bei Trevillach in der Nähe der Stadt Perpignan zu unterstützen. Zudem wurden mehr als 100 zusätzliche Feuerwehrleute mobilisiert, um den Kampf gegen das Feuer zu verstärken.
Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission, äußerte sich auf der Plattform X zur aktuellen Situation. Sie betonte die Solidarität der Staatengemeinschaft:
„Europa steht an der Seite Frankreichs.“
Einflüsse auf den Sportbetrieb
Die Auswirkungen des Feuers machen auch vor sportlichen Großveranstaltungen nicht halt. Der Brand bei Trevillach breitet sich in der Nähe der dritten Etappe der Tour de France aus. Laut dem Renndirektor Christian Prudhomme wurde der Streckenabschnitt am Montag für die Öffentlichkeit gesperrt, um den Rettungskräften einen ungehinderten Zugang zu den betroffenen Gebieten zu ermöglichen.
Zudem wurde der Fahrzeugtross, der das Radrennen üblicherweise begleitet, auf ein absolutes Minimum reduziert. Die betroffene Etappe umfasst eine Distanz von 196 Kilometern und führt von der spanischen Stadt Granollers bis nach Les Angles in der Region Pyrenäen-Orientales.
Hitze begünstigt die Ausbreitung
Der Waldbrand in Südfrankreich ist das Ergebnis extremer klimatischer Bedingungen der vergangenen Monate. Frühsommerliche Hitzewellen im Mai und Juni haben weite Teile Frankreichs und Westeuropas ausgetrocknet und die Böden sowie die Vegetation extrem anfällig für Feuer gemacht. Die Weltorganisation für Meteorologie stellt zudem fest, dass sich Europa mehr als doppelt so schnell erwärmt wie der globale Durchschnitt. Dieser Trend macht lang anhaltende Hitzeepisoden in der Region zunehmend wahrscheinlich.
Für die laufende Woche werden in Südwestfrankreich erneut Temperaturen von bis zu 40 Grad Celsius prognostiziert. Auch in Portugal und Spanien halten die Hitzewellen weiter an. Auf der spanischen Seite der Grenze konnte ein ähnlicher Brand bereits weitgehend stabilisiert werden, nachdem dort 2.200 Hektar Land, davon 97 Prozent im Naturschutzgebiet Les Gavarres, verbrannt waren. Die spanischen Behörden gehen davon aus, das Feuer im Laufe der Woche vollständig löschen zu können.
Ermittlungen zur Brandursache
Die spanische Polizei hat in diesem Zusammenhang einen Angestellten einer vom katalanischen Regionalrat beauftragten Firma festgenommen. Dem Mann wird vorgeworfen, den Waldbrand durch den unsachgemäßen Gebrauch eines Winkelschleifers am Straßenrand fahrlässig verursacht zu haben.
Neben den Vorfällen an der französisch-spanischen Grenze verzeichnen auch andere Regionen eine hohe Brandgefahr. Südlich von Katalonien, in der Provinz Castellon, mussten bereits 500 Menschen ihre Häuser verlassen, als ein Feuer auf den Nationalpark Sierra de Espadan übergriff. Auch Portugal meldet in den letzten Tagen hunderte Feuer, von denen das größte bereits 10.000 Hektar Fläche zerstört hat.

























