KIEW, 10. Juni (Berlin Morgen Zeitschrift) – Die Ankündigung von Präsident Donald Trump, die Produktion von Patriot-Flugabwehrraketen in der Ukraine zu ermöglichen, stellt für den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj einen politischen Erfolg dar. Verteidigungsexperten warnen jedoch, dass der Aufbau der notwendigen Fertigungskapazitäten mindestens ein Jahr in Anspruch nehmen könnte. Angesichts der anhaltenden russischen Angriffe auf Städte und die Energieinfrastruktur muss Kiew bis dahin schwierige Priorisierungen beim Schutz kritischer Ziele vornehmen.
Die Zusage erfolgte während eines Treffens der beiden Staatsmänner am Rande eines NATO-Gipfels in Ankara und markiert eine deutliche Verbesserung der bilateralen Beziehungen. Patriot-Abfangraketen sind für die Verteidigung des Landes von zentraler Bedeutung, insbesondere da Russland versucht, seine Überlegenheit bei ballistischen Raketen konsequent auszuspielen. Aktuelle Daten zeigen, dass die Ukraine von 54 ballistischen Geschossen, die allein in diesem Monat abgefeuert wurden, nur vier abfangen konnte.
Herausforderungen bei der Produktion
Die Zusage von Trump bleibt in der Umsetzung vage, da bislang keine direkten Absprachen mit den Herstellern Lockheed Martin und Raytheon getroffen wurden. Experten betonen, dass der Bau eines Montagewerks und die Organisation der Lieferketten eine erhebliche zeitliche Herausforderung darstellen. Die Herstellung von Patriot PAC-2- oder der moderneren PAC-3-Systeme erfordert hochkomplexe Fertigungsprozesse, die kurzfristig keine Entlastung für das ukrainische Arsenal bieten.
„Kurzfristig werden die Auswirkungen sehr begrenzt sein“
Erklärte Fabian Hoffmann, Experte für Raketensysteme am Norwegischen Institut für Verteidigungsstudien in Oslo. Er schätzt, dass eine Umsetzung in unter zwölf Monaten äußerst unwahrscheinlich sei.
Erfahrungen aus Europa zeigen die Komplexität dieser Vorhaben. So schlossen Raytheon und das europäische Unternehmen MBDA bereits 2024 eine Vereinbarung zur Produktion von GEM-T-Abfangraketen in Deutschland, wobei die ersten Lieferungen erst für Anfang 2027 erwartet werden. Bemühungen, auch die Produktion von PAC-3-Systemen in Deutschland zu etablieren, blieben bisher ohne messbaren Erfolg.
Strategische Optionen für Kiew
Während die technische Planung voranschreitet, diskutieren Experten über die Möglichkeit, die Produktion zunächst in europäischen Ländern anzusiedeln, wo die Sicherheitslage stabiler ist. Eine Verlagerung in die Ukraine könnte erst nach dem Ende der Kampfhandlungen erfolgen. Präsident Selenskyj drängt zwar auf eine schnellstmögliche Aufnahme der Fertigung vor Ort, doch die technologischen Hürden beim Abfangen von Hyperschallraketen bleiben bestehen.
Da die Produktionsmengen bei weitem nicht ausreichen, um die russische Bedrohung vollständig zu neutralisieren, sucht die ukrainische Regierung nach einem sogenannten Plan B. Dabei liegt die Hoffnung auf alternativen Projekten wie dem System Freya, das von dem ukrainischen Unternehmen Fire Point entwickelt wird. Parallel dazu wird geprüft, ob existierende europäische Systeme wie das SAMP/T NG durch technische Anpassungen und Radar-Kalibrierungen als ergänzende Verteidigungsoptionen dienen können.
Die Verteidigungssituation bleibt in Kiew angespannt. Da die Ressourcen limitiert sind, muss die militärische Führung kontinuierlich entscheiden, welche Objekte Priorität genießen. Experten wie Hoffmann raten der Ukraine dazu, neben passiven Schutzmaßnahmen durch verstärkte Infrastrukturbauten auch offensive Optionen in Betracht zu ziehen, um den Druck auf die russischen Angriffsfähigkeiten zu erhöhen.

























