BERLIN, 11. Juni (Berlin Morgen Zeitschrift) – Die Bundesregierung hat am Freitag die anhaltende Ausweitung illegaler Siedlungen im Westjordanland kritisiert. Dennoch distanzierte sich Außenminister Johann Wadephul von Forderungen einiger EU-Partner, die auf härtere Konsequenzen wie ein Handelsverbot für Waren aus diesen Gebieten abzielen.
Bei einer Pressekonferenz in BERLIN betonte Wadephul, dass die deutsche Haltung zu den Siedlungen in den besetzten palästinensischen Gebieten unverändert bleibe. Die Bundesregierung weise Israel weiterhin regelmäßig auf dessen völkerrechtliche Verpflichtungen hin.
Wadephul erklärte, er habe diese Erwartungen bereits während seines Besuchs in Israel am Dienstag in Gesprächen mit seinem israelischen Amtskollegen deutlich gemacht. Er betonte dabei die Bedeutung des Völkerrechts als zentrales Leitprinzip der deutschen Außenpolitik.
„Das Völkerrecht ist hier der Maßstab, und es darf keine einseitige De-facto-Annexion geben.”
Sagte Wadephul.
Im Rahmen seiner Ausführungen bezeichnete der Außenminister jegliche Form von Gewalt durch Siedler als inakzeptabel. Er forderte die israelische Regierung dazu auf, entschlossene Maßnahmen gegen diese Übergriffe zu ergreifen. Von seinem israelischen Gegenüber habe er diesbezüglich Zusicherungen erhalten.
Ob Deutschland bei dem anstehenden Treffen der EU-Außenminister am Montag weiteren Sanktionen oder Importbeschränkungen für Siedlungswaren zustimmen wird, ließ der Minister offen. Er unterstrich stattdessen die Notwendigkeit, die diplomatischen Gesprächskanäle zu Israel offen zu halten.
Wadephul argumentierte, dass gegenwärtig andere Prioritäten in der Region Vorrang haben müssten. Er verwies dabei insbesondere auf die laufenden Verhandlungen zwischen Israel und dem Libanon, die auf eine Einigung abzielen. Dies sei von historischer Bedeutung für die Stabilität im Nahen Osten.
Zudem betonte er die Dringlichkeit einer Lösung für den Gazastreifen. Laut Wadephul zieht sich die Debatte um die Zukunft des Gebiets bereits zu lange hin. Er forderte Israel auf, keine Einschränkungen bei der humanitären Versorgung zu erlassen und Hilfslieferungen in das palästinensische Gebiet in größerem Umfang zuzulassen.
Gleichzeitig bekräftigte er die Notwendigkeit, die Machtstrukturen der Hamas zügig zu zerschlagen. Die langfristige Perspektive müsse darin bestehen, die Verantwortung für den Gazastreifen schrittweise an eine zu bildende palästinensische Verwaltung zu übertragen.
Abschließend stellte der Außenminister klar, dass Sanktionen gegen gewaltbereite radikale Siedlerorganisationen bereits in der Vergangenheit verhängt wurden. Die Bundesregierung sei jederzeit bereit, die Lage diesbezüglich erneut zu bewerten. Auf dem anstehenden EU-Treffen werde er den Fokus jedoch primär auf die humanitäre Lage im Gazastreifen und die laufenden regionalen Friedensgespräche legen.


























