Berlin (Berlin Morgen Zeitschrift) – Die Landesregierung von Berlin hat einen mutmaßlichen Erpressungsversuch nach einem Angriff auf das administrative Computernetzwerk der Stadt zurückgewiesen, während die Ermittlungen zu dem Angriff nur wenige Wochen vor den für den 20. September angesetzten Wahlen in der Stadt andauern. Laut dem Regierenden Bürgermeister Kai Wegner wird sich das Land Berlin den Forderungen der Angreifer nicht beugen.
Warum weigert sich Berlin, den Hackern nachzugeben?
Der Cyberangriff, der am 14. August bekannt wurde, richtete sich gegen das Netzwerksystem der Berliner Verwaltung. Zwei Senatsverwaltungen, die für Mobilität und Verkehr sowie für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen zuständig sind, mussten sofort nach Entdeckung des Angriffs vorübergehend vom Landesnetz getrennt werden. Während einer eigens einberufenen Senatssitzung am Freitag erklärte Wegner, dass Berlin Opfer eines schweren Verbrechens sei und das Land mit einer Erpressung konfrontiert werde.
„Das Land Berlin lässt sich nicht erpressen“,
sagte Wegner und unterstrich damit die Entschlossenheit der Verwaltung, Kriminelle nicht über ihre Reaktion bestimmen zu lassen. Die genaue Art der Forderungen und die angeblich geforderte Summe wurden nicht öffentlich bekannt gegeben.
Das Landeskriminalamt Berlin und die Staatsanwaltschaften untersuchen den Angriff. Auch Sicherheitsbehörden des Bundes sind beteiligt, während die Behörden den Umfang des Eindringens bewerten und feststellen, wer dahintersteckte.
Was geschah während des Cyberangriffs?
Der Hack wurde ursprünglich am 14. August entdeckt, obwohl weitere Erkenntnisse zeigten, dass möglicherweise zwischen dem 7. und 12. August Daten aus dem Regierungsnetzwerk entnommen worden waren. Das bedeutet, dass die Täter möglicherweise mehrere Tage innerhalb des Netzwerks operiert hatten, bevor Berlin erkannte, dass sie dort waren. Zunächst erklärten die Behörden, es gebe keine Hinweise darauf, dass vertrauliche Informationen aus dem Netzwerk entwendet worden seien. Später war dies jedoch weniger eindeutig.
Deutsche Beamte räumten ein, dass nicht ausgeschlossen werden könne, dass entweder nicht vertrauliche oder personenbezogene Daten kompromittiert wurden. Die gesamte Situation ist noch lange nicht vollständig geklärt. Es ist weiterhin unbekannt, auf wie viele Daten zugegriffen wurde, wer von dem Vorfall betroffen sein könnte oder welche Informationen gestohlen wurden. Daher besteht eine der Hauptaufgaben der Ermittlungen nicht nur darin, die Kriminellen zu finden, sondern auch deren Aktivitäten im System zu analysieren und zu prüfen, ob die mutmaßliche Erpressung von denselben Personen ausgeübt wurde.
Welche früheren Cyberangriffe dienen Berlin als Warnung?
Berlin hat bereits zuvor Cyberangriffe erlebt, doch frühere Angriffe unterschieden sich deutlich von dem derzeit untersuchten Fall. Insbesondere wurden im April 2025 die öffentlichen Internetportale Berlins von einem großen DDoS-Angriff getroffen. Dadurch wurde der Zugang zu Regierungswebsites und -diensten in Berlin beeinträchtigt.
Auch im April 2023 wurden die öffentlichen Websites Berlins von einem schweren DDoS-Angriff getroffen. Das interne Landesnetzwerk wurde zu diesem Zeitpunkt jedoch nach Angaben der Behörden nicht gehackt. Ein wichtiger deutscher Fall ereignete sich im Juli 2021, als der Landkreis Anhalt-Bitterfeld in Sachsen-Anhalt Opfer eines Ransomware-Angriffs wurde. Dies führte zu erheblichen Beeinträchtigungen der Verwaltung des Gebiets. Es war das erste Mal, dass eine deutsche lokale Verwaltungsbehörde den Zustand einer Cyber-Katastrophe erklärte. Von den Angreifern wurden rund 500.000 Euro gefordert, doch die Behörden weigerten sich zu zahlen und bauten ihre Infrastruktur wieder auf.
Der Berliner Fall ist daher bemerkenswert, weil er mehrere Elemente früherer Angriffe miteinander verbindet – Eindringen in ein Netzwerk, möglicher Datendiebstahl und Erpressung – und zusätzlich durch eine bevorstehende Landtagswahl besonders sensibel ist.



























