Angebot aus San Francisco
Uber bietet aktuell 33 Euro je Aktie für das Berliner Unternehmen, was einer Gesamtbewertung von knapp über 10 Milliarden Euro entspricht. Am Freitag notierte das Wertpapier zum Handelsschluss im Xetra-System allerdings noch bei 33,59 Euro. Das Angebot liegt somit leicht unter dem jüngsten Börsenkurs. Dennoch verzeichnete die Aktie in den vergangenen zwei Wochen bereits einen drastischen Kursanstieg von fast 70 Prozent, angetrieben durch anhaltende Gerüchte über das Interesse aus den USA. Im nachbörslichen Handel auf der Plattform Tradegate kletterte der Preis am Freitagabend sogar weiter auf 35,50 Euro. Der Vorstand des Berliner Konzerns wies die erste Offerte über 33 Euro laut Finanzkreisen zurück, da Großinvestoren einen Preis von über 40 Euro je Aktie fordern.
Einstieg über Finanzderivate
Die geplante Übernahme von Delivery Hero wurde von Uber strategisch vorbereitet. Mit Unterstützung der Investmentbank Morgan Stanley baute der US-Konzern über Swaps und Derivate unbemerkt eine erhebliche Position auf. Bereits im April erwarb Uber ein Aktienpaket von 4,5 Prozent direkt vom Großaktionär Prosus für rund 270 Millionen Euro. Am Montag gab das Unternehmen bekannt, dass Uber mittlerweile 19,5 Prozent des gezeichneten Kapitals direkt hält und weitere 5,6 Prozent über Optionen kontrolliert. Dadurch besitzt der Fahrdienst-Riese eine enorme Hebelwirkung für die anstehenden Verhandlungen. Neben Uber zeigt Berichten zufolge auch der Konkurrent DoorDash Interesse an einer Übernahme oder dem Kauf profitabler Regionalgesellschaften im Nahen Osten.
Globale Expansion im Visier
Für den US-Konzern bietet der Kauf von Delivery Hero die Chance, seine Infrastruktur auf einen Schlag massiv auszuweiten. Das Berliner Unternehmen ist in rund 65 Ländern in Europa, Asien, Lateinamerika, dem Nahen Osten und Afrika aktiv. Besonders die Marken Talabat und HungerStation im Nahen Osten gelten als hochgradig profitabel. Uber könnte durch den Kauf die Expansion von DoorDash blockieren, das kürzlich den britischen Lieferdienst Deliveroo erwarb. Zudem lässt sich die globale Marktposition von Delivery Hero nutzen, um Millionen neue Kunden in das profitable Abonnement-System Uber One zu integrieren.

Führungskrise und Hürden
Der Zeitpunkt für den Angriff auf Delivery Hero ist präzise gewählt. Der langjährige Mitgründer und Chef Niklas Östberg musste nach anhaltendem Druck des aktivistischen Investors Aspex Management seinen Posten räumen. Das Unternehmen befindet sich in einer Phase der Umstrukturierung und Überprüfung aller Vermögenswerte. Eine vollständige Übernahme von Delivery Hero steht jedoch vor massiven wettbewerbsrechtlichen Hindernissen. Sobald Uber die Schwelle von 30 Prozent der Anteile überschreitet, wird nach deutschem Recht ein Pflichtangebot fällig. Die Europäische Kommission wird das Geschäft aufgrund von Marktüberschneidungen in Südeuropa und Lateinamerika genau prüfen.
Auswirkungen auf Deutschland
Direkte Folgen für Verbraucher in Deutschland hat das Geschäft kaum. Das Unternehmen hat sein deutsches Geschäft vor Jahren an Just Eat Takeaway verkauft, das hierzulande als Lieferando firmiert. Uber Eats operiert in Deutschland eigenständig. Die Erlöse aus dem internationalen Geschäft könnten Uber jedoch zusätzliche Finanzkraft verleihen.
„Der Fahrdienstvermittler Uber ist an einer vollständigen Übernahme des Essenslieferdienstes Delivery Hero interessiert“, bestätigte das Berliner Unternehmen am Samstag.
Besonderheiten in Berlin
Die Geschichte des Konzerns in seiner Heimatstadt bleibt kurios. Nach dem Verkauf des Inlandgeschäfts im Jahr 2018 startete Delivery Hero im Sommer 2021 unter dem Namen Foodpanda einen feierlichen Neustart in Berlin. Aufgrund des extremen Wettbewerbs und hoher Kosten verbrannte das Unternehmen Millionen und zog sich bereits nach fünf Monaten wieder vollständig aus Deutschland zurück. Eine erfolgreiche Übernahme würde bedeuten, dass die globalen Strukturen von Delivery Hero künftig komplett von einem US-Konzern gesteuert werden.




























