KOBLENZ, 9. Juni (Berlin Morgen Zeitschrift) – Die deutsche Marine steht vor einem technologischen Umbruch. Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) hat den offiziellen Startschuss für die Serienproduktion eines hochmodernen Laserwaffensystems gegeben.
Das Projekt, das von einem Gemeinschaftsunternehmen der Firmen Rheinmetall Waffe Munition und MBDA Deutschland realisiert wird, markiert einen bedeutenden Schritt in der Entwicklung effektiver Abwehrsysteme für den maritimen Einsatz. Die volle operative Einsatzbereitschaft auf den Kriegsschiffen der Bundeswehr ist für das Jahr 2029 terminiert.
Die Entwicklung des Waffensystems ist mit einem Vertrag in mittlerer dreistelliger Millionenhöhe verbunden. Bei der Produktion verfolgt die Bundesregierung eine klare Strategie zur Sicherung der nationalen technologischen Souveränität. Die Fertigung findet primär innerhalb Deutschlands statt, um die Lieferketten lokal zu halten und die industrielle Basis zu stärken.
Das Laserwaffensystem ist als ergänzende Komponente konzipiert, die konventionelle Bordgeschütze und Lenkflugkörper entlasten soll. Da das System ausschließlich auf die Bordstromversorgung zugreift, bietet es nahezu unbegrenzte Schusskapazitäten bei sehr geringen Kosten pro Einsatz.
Der Übergang in die Serienfertigung basiert auf einer umfassenden Testphase unter realen Bedingungen. Ein Demonstratormodell verbrachte über ein Jahr an Bord der Fregatte Sachsen und legte dabei 28.000 Seemeilen durch die Nord-, Ost- und Mittelmeerregion zurück. Während dieser Zeit absolvierte das System mehr als 1.000 scharfe Schüsse gegen maritime, luftgestützte sowie landbasierte Ziele. Die Ergebnisse zeigten, dass der Laser mit extremer Präzision hochenergetische Strahlen auf eine Fläche von wenigen Zentimetern bündeln kann, um Ziele schnell zu neutralisieren.
Der Fokus des Systems liegt primär auf der Bekämpfung von unbemannten Luftfahrzeugen wie Drohnen, anfliegenden Lenkflugkörpern sowie schnell manövrierenden Schnellbooten auf kurze Distanz. Roman Koehne, Leiter der Waffenabteilung bei Rheinmetall, unterstrich die Bedeutung dieser technologischen Neuerung für die Sicherheit der Soldaten.
„Das Laserwaffensystem wird einen deutlich höheren Schutz für unsere Soldaten auf den Marineschiffen bieten, insbesondere gegenüber Drohnen, wobei die Serienproduktion weitgehend in Deutschland erfolgt und neue Ausbildungs- sowie Beschäftigungsmöglichkeiten schafft“, erklärte Roman Koehne in einer offiziellen Mitteilung zum Vertragsabschluss.
Im Vergleich zu herkömmlichen Nahbereichsverteidigungssystemen bietet die Lasertechnologie erhebliche Sicherheitsvorteile. Konventionelle Geschütze bergen oft das Risiko von Kollateralschäden, da Projektile nach dem Zieltreffer weiterfliegen können. Der Laserstrahl hingegen fokussiert seine Energie ausschließlich auf das Zielobjekt.
Dies ermöglicht den Einsatz in Formationen oder in der Nähe kritischer Infrastruktur, ohne die Umgebung zu gefährden. Das System ist zudem in einer Containerlösung verbaut, was eine flexible Anwendung ermöglicht. Neben der maritimen Nutzung auf Kriegsschiffen kann das System somit auch für den Schutz von Seehäfen oder kritischen Küsteneinrichtungen eingesetzt werden.
Mit dem Ziel, das System bis 2029 einsatzbereit zu machen, reagiert die Bundeswehr auf eine sich verändernde globale Bedrohungslage. Die Notwendigkeit einer kostengünstigen und schussstarken Luftverteidigung gegen Drohnen wird angesichts aktueller geopolitischer Entwicklungen als dringlich eingestuft. Sollte die Serienfertigung wie geplant umgesetzt werden, würde die deutsche Marine zu den weltweit ersten Streitkräften gehören, die eine solche Laserwaffe in dieser Leistungsdichte auf See einsetzen können.
Die technologische Entwicklung unterstreicht den Anspruch der deutschen Industrie, eine Vorreiterrolle im Bereich der gerichteten Energiewaffen einzunehmen. Damit bereitet sich die Marine auf Szenarien vor, in denen klassische Munitionsvorräte durch die hohe Anzahl an kleinen, aber gefährlichen Bedrohungen wie Drohnenschwärmen schnell erschöpft wären.

























