KIEW, 17. Juli (Berlin Morgen Zeitschrift) – Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat am Freitag erste Schritte eingeleitet, um die diplomatischen Spannungen mit Polen zu entschärfen. Hintergrund der Verstimmungen war eine Entscheidung Selenskyjs im Mai, eine ukrainische Militäreinheit nach Kämpfern der Ukrainischen Aufständischen Armee (UPA) zu benennen, die im Zweiten Weltkrieg an der Tötung polnischer Zivilisten beteiligt waren.
Die Beziehungen zwischen den beiden Ländern gelten als essenziell, da Polen seit Beginn der russischen Invasion im Jahr 2022 eine zentrale Rolle bei der Unterstützung der Ukraine einnimmt. Um den Konflikt beizulegen, berief Selenskyj ein Treffen mit hochrangigen Regierungsvertretern ein, um neue diplomatische Maßnahmen zu beraten.
Während des Treffens versprach Selenskyj, die Untersuchungen zu den Massakern durch die UPA auszuweiten. Dazu gehört insbesondere die Öffnung der Geheimdienstarchive des Inlandsgeheimdienstes sowie des Auslandsnachrichtendienstes der Ukraine. Diese Archive enthalten Dokumente über die systematische Tötung ethnischer polnischer Zivilisten in der Region Wolhynien während der Jahre 1943 bis 1945.
Historikern zufolge kamen in diesem Zeitraum 70.000 bis 100.000 Polen bei Vertreibungsversuchen der UPA und verbündeter nationalistischer Kräfte ums Leben. Im Gegenzug wurden tausende Ukrainer bei Vergeltungsaktionen getötet. Selenskyj betonte zudem, dass verstärkte Anstrengungen unternommen würden, um Opfer zu exhumieren und den Dialog zwischen den Nationen zu fördern.
Die diplomatische Initiative stieß in Warschau auf positive Resonanz. Der polnische Premierminister Donald Tusk begrüßte die Aussagen des Präsidenten ausdrücklich. Er betonte, dass die Regierung zu einem ernsthaften und freundschaftlichen Dialog über die Themen bereit sei, die beide Länder sowohl verbinden als auch trennen.
Präsident Selenskyj unterstrich nach dem Treffen auf der Plattform X die Wichtigkeit der Zusammenarbeit. Er schrieb:
„Die Prioritäten sind klar: Wir alle in Europa brauchen gute nachbarschaftliche, gleichberechtigte und für beide Seiten vorteilhafte Beziehungen, die auf Respekt aufgebaut sind.“
Trotz der Annäherungsversuche gibt es bislang keine Anzeichen dafür, dass die ukrainische Führung die umstrittene Benennung der Armeeeinheit zurücknehmen wird. Ukrainische Vertreter argumentieren, dass es allein dem Land obliege, seine Helden zu wählen. In der Ukraine wird die UPA von Teilen der Bevölkerung als Widerstandsbewegung verehrt, die sowohl gegen deutsche Besatzer als auch gegen sowjetische Truppen für die Unabhängigkeit des Landes kämpfte.



























