WASHINGTON, 17. Juli (Berlin Morgen Zeitschrift) – Die Vereinigten Staaten sehen sich derzeit einer außergewöhnlichen Belastung durch extremes Sommerwetter gegenüber. Während große Teile des Landes mit gesundheitsgefährdendem Rauch, flächendeckenden Waldbränden und katastrophalen Überschwemmungen kämpfen, verdeutlicht die aktuelle Lage die zunehmende Häufigkeit solcher komplexen Wetterereignisse.
Besonders betroffen ist der Osten der USA, wo dichter Rauch von kanadischen Waldbränden weite Gebiete von den Großen Seen bis nach Washington D.C. verhüllt. Die Luftqualität hat in Städten wie Chicago gefährliche Werte erreicht, weshalb Behörden dazu übergingen, öffentliche Parks und Strände entlang des Lake Michigan zu schließen.
Viele Bewohner, insbesondere diejenigen ohne Zugang zu Klimaanlagen, sind gezwungen, in ihren Häusern zu bleiben, während die Temperaturen in einigen Regionen die 32-Grad-Marke überschreiten. Ein über den Carolinas liegendes Hitzedom-System sorgt zudem für nordwestliche Winde, die den Rauch aus Kanada und Minnesota in die dicht besiedelten Regionen der USA leiten. Meteorologen hoffen, dass bevorstehende Regenfälle am Wochenende zu einer allmählichen Verbesserung der Luftqualität beitragen könnten.
Parallel dazu verschärft sich die Situation im Westen des Landes drastisch. Nach einer Serie von Blitzeinschlägen im pazifischen Nordwesten ist die Zahl der großen Waldbrände landesweit auf 68 angewachsen. Laut einer Zusammenfassung des National Interagency Fire Center (NIFC) ist diese Region derzeit der aktivste Brandherd der Nation. Über 17.400 Einsatzkräfte, unterstützt von 140 Hubschraubern und vier militärischen C-130-Löschflugzeugbesatzungen, sind im Einsatz.
Der rekordverdächtig niedrige Schneefall im Mountain West und anhaltende Dürreperioden haben die Vegetation in einen Zustand versetzt, der normalerweise erst für Mitte August typisch ist. Bisher sind in diesem Jahr bereits etwa 3,72 Millionen Acres – rund 1,51 Millionen Hektar – verbrannt, was den Wert des Vorjahres zum gleichen Zeitpunkt um mehr als eine Million Acres übersteigt.
Während der Westen mit Feuer kämpft, leidet Texas unter heftigen Sturzfluten. In der sogenannten Hill Country-Region dauern die katastrophalen Überschwemmungen nun schon den dritten Tag in Folge an. In einigen Gebieten fielen seit Dienstag mehr als 27 Zoll Niederschlag.
Gouverneur Greg Abbott bestätigte bereits zwei Todesopfer: Ein 65-jähriger Mann wurde in seinem Wohnmobil nahe Comfort mitgerissen, und ein 74-jähriger Mann verstarb, nachdem er mit seinem Fahrzeug in die Fluten geraten war. Rettungskräfte mussten in den vergangenen Tagen hunderte Menschen aus den steigenden Wassermassen befreien. Diese Fluten ereignen sich ausgerechnet zwei Wochen nach dem Jahrestag der Überschwemmungen am Guadalupe River im vergangenen Juli, bei denen mindestens 135 Menschen in den nun erneut betroffenen Städten ums Leben kamen.
Wissenschaftler betonen, dass das gleichzeitige Auftreten dieser verschiedenen Katastrophen die Gefahr für die betroffene Bevölkerung deutlich erhöht. Jesse Berman, Professor an der School of Public Health der University of Minnesota, unterstreicht die Schwere der Situation:
„Diese sind Verbundereignisse, und das kann manchmal die Auswirkungen von ihnen weit schlimmer machen als das, was wir mit irgendeinem dieser Ereignisse individuell erleben würden.“
Die zugrundeliegenden Ursachen für diese Wetterkapriolen werden intensiv diskutiert. Michael Mann, Klimatologe an der University of Pennsylvania, sieht eine Verbindung zu wellenförmigen Mustern im Jetstream. Er beschreibt ein als „Resonanz“ bekanntes Phänomen, bei dem große Wellen im Jetstream verstärkt und blockiert werden. Dies führt dazu, dass extreme Wetterbedingungen über längere Zeiträume hinweg in einer Region verharren und das Chaos am Boden verstärken.
Nach seinen Forschungen hat der menschengemachte Klimawandel dazu geführt, dass sich diese blockierten Jetstream-Ereignisse seit den 1950er Jahren verdreifacht haben. Während die Prognosen für Texas eine leichte Entspannung durch nachlassende Regenfälle vorhersagen, bleiben die Herausforderungen für die übrigen Landesteile aufgrund der ausgedehnten Waldbrände und der andauernden Rauchbelastung vorerst bestehen. Die US-Behörden bleiben in erhöhter Alarmbereitschaft, um auf die sich schnell verändernden Bedingungen reagieren zu können.



























