Deutschland hat in Sachsen-Anhalt ein Drohnen-Sicherheitstechnologiezentrum eingerichtet und signalisiert damit eine bedeutende Veränderung in seinen Plänen zum Schutz von Flughäfen, Veranstaltungen und kritischer Infrastruktur vor böswilligen/unbefugten Drohnenangriffen. Das Zentrum, das sich am DLR-Testflughafen in Cochstedt befindet, wurde am Dienstag, dem 18. August 2026, offiziell von Innenminister Alexander Dobrindt, der Forschungs- und Technologieministerin Dorothee Bär und dem Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt Sven Schulze eröffnet.
Warum hat Deutschland das Zentrum gerade jetzt eröffnet?
Die Entwicklung des Systems findet vor dem Hintergrund zunehmender Berichte über Drohnenaktivitäten und wachsender Sorgen über mögliche hybride Angriffe auf deutsche Infrastruktur statt. Die Behörden wurden über die Entdeckung einer mit Sprengstoff beladenen Drohne in der Nähe einer der Start- und Landebahnen des Flughafens Leipzig/Halle in der Nähe des Frachtflugzeugs Antonov informiert, das für die NATO-Logistik eingesetzt wird, und zwar am 5. August 2026. In diesem Zusammenhang leiteten die Bundesstaatsanwälte Ermittlungen wegen eines möglichen Angriffs auf die nationale Sicherheit und die Verkehrsinfrastruktur ein. Nach Angaben der Behörden gab es in den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 zahlreiche Drohnensichtungen.
Wo befindet sich das Zentrum und wer betreibt es?
Das Zentrum befindet sich am Nationalen Testzentrum für unbemannte Flugsysteme, das vom DLR in Cochstedt, Sachsen-Anhalt, betrieben wird und etwa 40 Kilometer südlich von Magdeburg liegt, wobei die Einrichtungen eines Flughafens genutzt werden, der seit 2021 als nationale Drohnentestanlage fungiert. Das Zentrum wird vom Bundesministerium des Innern, dem Bundesministerium für Forschung und Technologie und dem DLR in Zusammenarbeit mit Sicherheitsbehörden des Bundes und der Länder geleitet.
Was wird das Zentrum tatsächlich tun?
Die Einrichtung ist als bundesweites „Living Lab“ konzipiert, in dem innovative Technologien für die Drohnensicherheit unter realistischen Bedingungen erforscht, entwickelt und getestet werden. Innenminister Alexander Dobrindt sagte: „Gemeinsam mit dem DLR schaffen wir … eine bundesweit einzigartige Einrichtung, in der innovative Technologien für die Drohnensicherheit in realen Laboren erforscht, entwickelt und getestet werden.“ Zu den Kernaufgaben gehören die Entwicklung und Erprobung von Systemen zur Erkennung, Klassifizierung und Neutralisierung unbefugter Drohnen, mit besonderem Schwerpunkt auf KI-gesteuerten Drohnen, die ihre Ziele auch dann weiter anfliegen können, wenn die Kommunikation gestört wird.
Wie beschreibt Berlin die Drohnenbedrohung?
Hochrangige Beamte stellen den Anstieg der Drohnenaktivitäten als Teil einer umfassenderen Kampagne hybrider Kriegsführung dar, die darauf abzielt, Deutschland und seine Verbündeten zu destabilisieren. Dobrindt hat wiederholt gewarnt, dass das Land
„nicht im Krieg ist, aber … täglich Ziel hybrider Kriegsführung“
sei, und beschrieb das derzeitige Umfeld als einen
„Schattenkrieg des 21. Jahrhunderts“.
Er fügte hinzu:
„Das klare strategische Ziel ausländischer Mächte ist es, uns politisch und gesellschaftlich zu besiegen. Unsicherheit zu schaffen, Angst zu schüren und Destabilisierung zu verursachen, sind Kennzeichen hybrider Angriffe.“
Welche Technologien und Projekte werden priorisiert?
Nach Angaben der Forschungsministerin Dorothee Bär spielt das Zentrum eine wichtige Rolle bei Deutschlands Streben nach technologischer Souveränität im Bereich der Drohnenabwehrtechnologie. Die Ministerin erwähnte IDAS-Pro, das Projekt, dessen Ziel die Erkennung, Klassifizierung und Erfassung unbefugter Drohnen ist, die über sensible Bereiche wie Flughäfen, Stadien und Konzerthallen fliegen. Wie sie es ausdrückte:
„Unerwünschte Drohnen über einem Flughafen? Über einem Stadion? Über einem Konzert? Nicht mit uns!“
Das Zentrum wird verschiedene Arten von Lösungen erproben, darunter Sensoren, Störsender, Erfassungsausrüstung und künstliche Intelligenz zur Identifizierung von Drohnen.
Wie baut Deutschland seine operativen Drohnenabwehrfähigkeiten aus?
Neben der Entwicklung des Forschungszentrums wird Berlin seine praktischen Fähigkeiten zur Drohnenabwehr erheblich ausbauen. Nach Angaben des Innenministeriums wird es die Zahl der Drohnenabwehrstellen der Bundespolizei auf etwa 300 verdoppeln und die technische Infrastruktur für Drohnenabwehrmaßnahmen von vier auf acht Standorte verdoppeln. Eine Spezialeinheit der Bundespolizei zur Bekämpfung von Drohnen nahm am 2. Dezember 2025 ihren Betrieb auf, und am 17. Dezember 2025 wurde ein Gemeinsames Drohnenabwehrzentrum zwischen Bundes- und Landesbehörden eingerichtet, um Informationen zur Lageeinschätzung zu sammeln und gemeinsame Operationen gegen Bedrohungen durchzuführen. Im Juni 2026 ging das Gemeinsame Zentrum zur Bekämpfung hybrider Bedrohungen (GAZ Hybrid) in einen rund um die Uhr laufenden Betrieb über.
Kann Deutschland vollständigen Schutz vor Drohnenangriffen garantieren?
Trotz des Ausbaus warnen die Behörden davor, dass absolute Sicherheit nicht erreichbar ist. Der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Mitko Müller, betonte die Grenzen des Schutzes und sagte:
„Man kann nicht rund um die Uhr entlang von Zehntausenden Kilometern Zaun Erkennungs- und Abwehrfähigkeiten bereitstellen. Das wird einfach nicht funktionieren.“
Er fügte hinzu:
„Diese trügerische Vorstellung von hundertprozentiger Sicherheit – wir sollten uns nichts vormachen – wird es nicht geben.“
Die Strategie kombiniert daher technologische Verbesserungen, mehr Personal und Standorte sowie eine bessere Koordinierung, anstatt undurchdringliche Abwehrmaßnahmen zu versprechen.
Was bedeutet das für Flughäfen und kritische Standorte?
Ziel des Zentrums in Cochstedt für Flughafeneinrichtungen und andere kritische Infrastrukturen ist es, die Umsetzung fortschrittlicherer und unter realen Bedingungen getesteter Drohnenabwehrmaßnahmen zu beschleunigen. Indem die Technologien realistischen Bedingungen ausgesetzt und die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten an den operativen Anforderungen ausgerichtet werden, hoffen die Deutschen, die technologische Lücke zwischen den sich schnell verändernden Fähigkeiten der Drohnen, einschließlich Schwarmoperationen, und den derzeit vorhandenen Gegenmaßnahmen zu schließen. Das letztendliche Ziel besteht darin, potenzielle Angreifer daran zu hindern, Drohnen einzusetzen, um den Luftverkehr und Logistikoperationen zu stören oder die Bevölkerung zu gefährden.



























