Einsatz der neuen Hyperschallwaffe
Russland hat bei einem massiven nächtlichen Luftangriff auf ukrainische Städte erneut eine neu entwickelte ballistische Mittelstreckenrakete abgefeuert. Die als Oreschnik-Rakete bekannte Waffe stand im Zentrum einer kombinierten Angriffswelle aus 600 Drohnen und 90 Raketen. Der Name des Waffensystems bedeutet übersetzt Haselnussstrauch. Das Militär feuerte das System vom südrussischen Testgelände Kapustin Yar ab. Die Oreschnik-Rakete traf die Stadt Bila Tserkva südlich von Kyjiw und beschädigte die dortige zivile Infrastruktur sowie Wohngebiete schwer. Für das neuartige System war dies bereits der dritte dokumentierte Kampfeinsatz seit Beginn der Erprobung unter realen Bedingungen. Der Kreml nutzt die Waffe primär als Werkzeug zur strategischen Einschüchterung der westlichen Verbündeten Kyjiws.
Modifikation alter sowjetischer Rüstungsprogramme
Die Entwicklung des Systems ist kein Resultat einer vollständigen Neukonstruktion, sondern basiert auf der Umgestaltung älterer sowjetischer und russischer Entwürfe. Westliche Geheimdienste identifizierten die Oreschnik-Rakete als eine modifizierte und verkürzte Variante der interkontinentalen Trägerrakete RS-26 Rubezh. Um die operative Reichweite von Interkontinentaldistanzen auf europäische Entfernungen zu reduzieren, entfernten Rüstungsingenieure eine der ursprünglichen Antriebsstufen. Der technologische Kern geht historisch auf das sowjetische Universal-Programm zurück. Nach dem Zusammenbruch des INF-Vertrags reaktivierte Moskau die Pläne. Die Oreschnik-Rakete wird nun in Serie produziert, um strategischen Druck aufzubauen. Ein hochrangiger ukrainischer Offizieller erklärte gegenüber Journalisten den Hintergrund der russischen Einsätze:
„Der Punkt von Moskaus Aktion war nicht, massive Zerstörung zu verursachen, sondern ein Warnsignal an einem Schlüsselpunkt im Krieg zu senden.“

Enorme Geschwindigkeit im Flug
Die Oreschnik-Rakete zeichnet sich durch extreme Geschwindigkeiten im Hyperschallbereich aus, die laut Berichten über Mach 10 erreichen. Dies entspricht einer Fluggeschwindigkeit von rund 13.000 Kilometern pro Stunde. Durch diese enorme Leistung benötigt die Oreschnik-Rakete von ihren Startplätzen in Russland bis zu den Zielen in der Ukraine nur etwa 15 Minuten. Wladimir Putin behauptete, dass das System von aktueller westlicher Luftverteidigung nicht abgefangen werden kann. Experten bestätigen, dass Standard-Systeme wie die Patriot-Batterie an ihre Grenzen stoßen. Eine effektive Abwehr der Oreschnik-Rakete erfordert hochentwickelte exoatmosphärische Abfangsysteme wie Arrow-3, die Ziele außerhalb der Erdatmosphäre bekämpfen können. Die Reichweite der Waffe wird auf 3.000 bis 5.500 Kilometer geschätzt, wodurch ganz Westeuropa in Reichweite liegt.
Die Funktionsweise als modularer Weltraumbus
Das markanteste technologische Merkmal der Waffe ist die Fähigkeit, mehrere unabhängige Sprengköpfe gleichzeitig ins Ziel zu bringen. Die Oreschnik-Rakete bewegt sich auf einer ballistischen Kurve, die ihren Scheitelpunkt im erdnahen Weltraum bei etwa 100 Kilometern Höhe erreicht. Beim Wiedereintritt trennt sich die Nutzlastsektion vom Hauptantrieb. Die Oreschnik-Rakete funktioniert dabei wie ein Bus, der sechs eigenständige Wiedereintrittskörper freisetzt. Jedes dieser Elemente teilt sich im Sinkflug erneut auf und entlässt sechs Submunitionen. Dies führt zu insgesamt 36 Überschall-Einschlägen im Zielgebiet. Beim Herabstürzen erzeugen die Fragmente durch die immense Reibungshitze von bis zu 4.000 Grad Celsius ein optisches Phänomen, das glühenden Meteoriten ähnelt.
Geringe Bestände und Stationierung in Belarus
Die ukrainischen Geheimdienste schätzen, dass die Oreschnik-Rakete derzeit nur in sehr geringer Stückzahl im aktiven russischen Arsenal existiert. Der aktuelle Bestand beläuft sich vermutlich auf drei bis vier einsatzbereite Einheiten, da sich die Produktion in der Anfangsphase befindet. Die jährliche Fertigungsrate wird auf etwa fünf Systeme geschätzt. Um die Bedrohung zu erhöhen, verlegte der Kreml mobile Abschussrampen nach Belarus. Die auf schweren Lkw-Chassis montierte Oreschnik-Rakete ist nun nahe dem Militärflugplatz Krichev-6 stationiert. Durch diese geografische Vorwärtsverschiebung schrumpft die Vorwarnzeit für europäische Hauptstädte wie Berlin oder Paris auf unter zehn Minuten. Für die jüngsten Tests nutzen die Streitkräfte die historische Infrastruktur der Anlage in Kapustin Yar.




























