HELSINKI, 2. Juli (Berlin Morgen Zeitschrift) – Das finnische Quantentechnologieunternehmen IQM debütierte am Donnerstag an der Nasdaq. Der Börsengang erfolgte durch die Fusion mit einer Zweckgesellschaft (SPAC) und führte zu einer Bewertung von rund 1,9 Milliarden US-Dollar. Trotz hoher Erwartungen verlief der erste Handelstag eher verhalten.
Der Aktienkurs notierte den Großteil des Tages unter dem ursprünglichen Ausgabepreis, was auf ein eher geringes Interesse von Privatanlegern hindeutete.
Zweifel an der Kommerzialisierung
Die Zurückhaltung am Markt ist möglicherweise auf eine bemerkenswerte Ehrlichkeit im Prospekt des Unternehmens zurückzuführen. Darin räumt IQM offen ein, dass eine großflächige kommerzielle Durchdringung der Quantentechnologie möglicherweise niemals eintreten wird. Diese Einschätzung betrifft zwar die gesamte Branche, doch sie wiegt schwer, da das Geschäftsmodell von IQM direkt an den Erfolg dieser Technologie gekoppelt ist. Dennoch verfolgt das Unternehmen weiterhin eine aktive Wachstumsstrategie und gewinnt Kunden, die aktuelle Quantensysteme für Simulationen oder Optimierungen nutzen.
Kundenstamm wächst stetig
Aktuell vertreibt das Unternehmen sowohl physische Quantencomputer als auch Cloud-Dienste für Rechenzeiten. Zu den Kunden zählen bedeutende Einrichtungen wie das VTT Technical Research Centre in Finnland und das Leibniz-Rechenzentrum in Deutschland. Die Zahl der Kunden stieg von acht im Jahr 2024 auf 22 im Jahr 2025. Darunter befinden sich auch zwei Unternehmen aus dem privaten Sektor. Diese Entwicklung zeigt zwar ein wachsendes Interesse, doch die Skalierung der Nachfrage hängt maßgeblich vom sogenannten Quantenvorteil ab. Dieser tritt ein, wenn Quanten-Chips klassische Computer bei komplexen Aufgaben in Bereichen wie Biotechnologie oder Finanzwesen übertreffen.
„Wir verkaufen Computer in fortschrittliche Supercomputing-Zentren und Rechenzentren, und wir verkaufen Rechenzeit über die Cloud“, erklärte Jan Goetz, CEO und Mitgründer von IQM.
Geopolitische Dynamik und USA
Das Unternehmen agiert in einem politisch hochsensiblen Umfeld. Während Länder wie Frankreich, Deutschland und Großbritannien bereits Initiativen zur Förderung der Quantenforschung angekündigt haben, erhalten die jüngsten Anordnungen der US-Regierung unter Präsident Trump besondere Aufmerksamkeit. Die USA planen, bis 2028 einen fehlertoleranten Quantencomputer unter der Leitung des US-Energieministeriums in Betrieb zu nehmen. Für IQM, das kürzlich ein Technologiezentrum in Maryland eröffnete und einen Rechner am Oak Ridge National Laboratory installiert hat, bietet diese Entwicklung neue Chancen. Laut Goetz kann das Unternehmen direkt von diesen staatlichen Fördermaßnahmen profitieren.
Strategie trotz ungewisser Zukunft
Trotz der Ambitionen in den USA bleibt der Kern von IQM fest in Finnland verankert. Das Unternehmen wurde 2018 als Ausgründung der Aalto-Universität in Espoo gegründet. Dort ist ein Großteil der Belegschaft ansässig, während das Team in München etwa 100 der insgesamt 420 Mitarbeiter umfasst. Die doppelte Präsenz in Europa und den USA soll die globale Marktposition stärken. Der Börsengang verschafft dem Unternehmen frisches Kapital von rund 198 Millionen Euro, was nach einer Finanzierungsrunde im vergangenen September als Erfolg gewertet wird. Neben der US-Notierung steht für IQM nun der Börsenstart an der Nasdaq Helsinki bevor. Die langfristige Entwicklung der Branche bleibt jedoch eine Wette auf eine Zukunft, in der die Technologie ihr volles Potenzial erst noch unter Beweis stellen muss.



























