MADRID/PARIS, 2. Juli (Berlin Morgen Zeitschrift) – Spanien und Frankreich bereiten sich auf eine weitere massive Hitzewelle vor, die das Leben in beiden Ländern erneut in den Ausnahmezustand versetzen könnte. Meteorologische Vorhersagen deuten auf Temperaturen von bis zu 44 Grad Celsius im Südosten Spaniens hin, nachdem bereits der vergangene Juni eine historische Hitzebelastung mit sich brachte.
Die Behörden in beiden Staaten registrierten im Vormonat insgesamt etwa 2.000 zusätzliche Todesfälle, die direkt mit den extremen Temperaturen in Verbindung gebracht werden.
Die staatliche spanische Wetterbehörde Aemet kündigte für das kommende Wochenende den Zustrom einer Masse aus trockener und sehr heißer Luft an. Diese Wetterlage wird das Thermometer vor allem in den südöstlichen Regionen am Dienstag auf Werte zwischen 42 und 44 Grad klettern lassen. Neben der gesundheitlichen Gefährdung warnt Aemet zudem vor einer massiv erhöhten Waldbrandgefahr in den betroffenen Gebieten.
Besondere Vorsicht mahnen die Experten für ältere Menschen sowie Personen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen an. Der vergangene Juni ging in die Wetteraufzeichnungen als zweitwärmster Juni seit Beginn der Messungen ein. Die Durchschnittstemperaturen lagen dabei um 3,2 Grad Celsius über dem üblichen Wert, eine Entwicklung, die Wissenschaftler primär auf die durch fossile Brennstoffe verursachte Klimakrise zurückführen.
Die provisorischen Daten zur Sterblichkeit zeichnen ein besorgniserregendes Bild der vergangenen Wochen. In Spanien dokumentierte das Gesundheitsministerium über sein Überwachungssystem MoMo 1.029 Hitzetote. In Frankreich meldete die zuständige Gesundheitsbehörde ebenfalls rund 1.000 zusätzliche Todesfälle im Zusammenhang mit der zehntägigen Hitzewelle Ende Juni.
Nicolas Revel, Leiter der Krankenhäuser im Raum Paris, kommentierte die Lage zur aktuellen Situation:
„Wir erwarten zwar nicht, dass die Zahl der hitzebedingten Todesfälle das Niveau der schweren Hitzewelle von 2003 erreicht, da wir in vielen Bereichen Fortschritte erzielt haben, doch rechnen wir mit Werten, die über den 5.700 Toten des Vorjahres liegen werden.“
Der medizinische Notdienst SOS-Médecins verzeichnete in der letzten Juniwoche bei über 75-Jährigen einen Anstieg der Todesfälle um 85 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch die Einsätze aufgrund von Hitzeschlag und Dehydrierung nahmen drastisch zu, mit Steigerungsraten von bis zu 480 Prozent über alle Altersgruppen hinweg. In Frankreich stieg zudem die Zahl der Ertrinkungstote seit dem 19. Juni auf über 90 Personen an, da viele Menschen in Gewässern Abkühlung suchten.
Die Auswirkungen der Hitze sind auch in der Natur deutlich spürbar. In Südfrankreich kämpfen Feuerwehren gegen mehrere Waldbrände, die durch starke Winde zusätzlich angefacht werden. Allein im Bereich der Hafenstadt Marseille wurden bereits mehr als 1.200 Hektar Land durch die Flammen zerstört.
In der Region um Paris führt die drohende erneute Hitzewelle derweil zu chaotischen Zuständen. Beim Versuch, Klimageräte zu ergattern, kam es vor Supermärkten der Kette Lidl zu tumultartigen Szenen. Da Klimaanlagen in französischen Haushalten aufgrund der historisch milden Sommer bisher selten sind, stürmten Hunderte Menschen die Filialen. Die Polizei musste an mehreren Standorten einschreiten, um Auseinandersetzungen in der Kundschaft zu schlichten. Viele Käufer gingen leer aus, da der Vorrat an günstigen Modellen den Bedarf bei weitem nicht decken konnte.


























