LOS GALLARDOS, 10. Juni (Berlin Morgen Zeitschrift) – Bei einem der schwersten Waldbrände der letzten Jahre in Spanien sind mindestens zwölf Menschen ums Leben gekommen. Die Behörden meldeten am Freitag zudem 23 Vermisste, während Einsatzkräfte weiterhin gegen das außer Kontrolle geratene Feuer kämpfen.
Brand breitete sich am Donnerstag in einem Waldgebiet nahe der Stadt Los Gallardos in der Provinz Almería aus. Nach Angaben von Antonio Sanz, dem Leiter des Rettungsdienstes in der Region Andalusien, ignorierten viele der Betroffenen die Anweisungen, in ihren Häusern Schutz zu suchen, und versuchten stattdessen, die Gefahrenzone mit ihren Autos zu verlassen.
Tragisches Fluchtgeschehen
Die Flammen breiteten sich durch starke Winde extrem schnell aus und schlossen die Menschen auf ihrer Flucht ein. In einem Fahrzeug wurden vier Menschen gefunden, die aufgrund der Fahrzeugausstattung für den Linksverkehr vermutlich aus Großbritannien stammten. Acht weitere Opfer wurden abseits ihrer Autos entdeckt, nachdem sie offenbar zu Fuß versucht hatten, über eine Route zu entkommen, die nicht Teil der offiziellen Evakuierungspläne war. Da die Leichen teilweise stark verbrannt sind, ist die Identifizierung durch DNA-Analysen in vielen Fällen zwingend erforderlich.
Der regionale Regierungschef von Andalusien, Juan Manuel Moreno, beschrieb die Dynamik des Feuers gegenüber Journalisten als ungewöhnlich schnell. Er erklärte dazu:
„Das Feuer breitete sich wie Schießpulver aus.“
Erschwerte Suche nach Vermissten
Die Rettungsarbeiten dauern an, da Behörden befürchten, dass sich unter den Vermissten weitere Personen befinden könnten, die beim Wandern in dem bewaldeten Gebiet von den Flammen überrascht wurden. Am Einsatzort wurden bereits mehrere Wanderstöcke sichergestellt. Parallel dazu suchen Angehörige aus der ganzen Welt über soziale Netzwerke und lokale Foren verzweifelt nach ihren Liebsten, die seit dem Ausbruch des Feuers als verschollen gelten.
Die hohe Zahl der Todesopfer übertrifft bereits jetzt die Bilanz eines verheerenden Waldbrandes aus dem Jahr 2005, bei dem elf Feuerwehrleute in der Provinz Guadalajara ums Leben gekommen waren. Der aktuelle Brand stellt damit eines der tödlichsten Ereignisse dieser Art in der Geschichte des Landes dar.
Früher Beginn der Waldbrandsaison
Die klimatischen Bedingungen in Spanien haben in diesem Jahr zu einem vorzeitigen Beginn der Waldbrandsaison geführt. Mehrere Hitzewellen zu Beginn des Sommers haben die Vegetation stark ausgetrocknet und damit eine hochempfindliche Grundlage für Brände geschaffen. Laut dem Europäischen Waldbrandinformationssystem sind in diesem Jahr bereits etwa 57.000 Hektar Land in Spanien verbrannt, was 40 Prozent der gesamten im Jahr 2026 in der Europäischen Union betroffenen Waldfläche entspricht.
Ein weiterer erschwerender Faktor war der ergiebige Winterregen, der ein starkes Pflanzenwachstum begünstigte. Die nun vertrocknete Vegetation dient als idealer Brennstoff für die Flammen, wie Moreno betonte. Experten warnen zudem, dass der Sommer noch lang ist und das Risiko für weitere Ausbrüche bestehen bleibt.
Ursachenforschung und Betroffenheit
Behörden untersuchen derzeit die Entstehung des Feuers. Erste Vermutungen deuteten auf ein beschädigtes Stromkabel hin, das in einen Graben neben einer Straße gefallen sein soll. Ein Sprecher des Versorgungsunternehmens Endesa widersprach dieser Theorie jedoch und erklärte, dass das betroffene Kabel zum fraglichen Zeitpunkt spannungsfrei gewesen sei.
In den umliegenden Dörfern, in denen viele ausländische Staatsbürger leben, herrscht große Anteilnahme. Besonders im Dorf Bedar, in dem ein bedeutender Anteil der Bewohner aus Großbritannien und anderen europäischen Ländern stammt, mussten Polizisten in einer konzertierten Aktion viele Bewohner zur Evakuierung bewegen. Die Gemeinde ist tief erschüttert von der Katastrophe.


























