STOCKHOLM, 2. Juni (Berlin Morgen Zeitschrift) – Schweden sollte ein Mindestalter von 15 Jahren für die Nutzung sozialer Medien einführen, empfahl eine von der Regierung eingesetzte Kommission.
Neue Hürden für Plattformen
Die Untersuchung, geleitet von der Expertin Lisa Englund Krafft, stellt einen fundamentalen Wandel in der schwedischen Regulierungspolitik dar. Bisher konnten Kinder ab 13 Jahren mit elterlicher Zustimmung eigene Profile auf den gängigen Apps erstellen. Die neue Empfehlung sieht jedoch vor, die Verantwortung vollständig von den Eltern auf die Betreiber der Plattformen zu übertragen. Technologieriesen wie TikTok, Instagram und YouTube sollen verpflichtet werden, durch eine technisch verifizierte Altersprüfung sicherzustellen, dass keine Kinder unter 15 Jahren die Dienste nutzen.
„Die Gründe für die Einführung einer Altersgrenze überwiegen letztlich die Vorteile eines weiterhin freien Zugangs zu dieser Art von Medien“, erklärte Lisa Englund Krafft während einer Pressekonferenz gemeinsam mit dem Minister für Soziales und öffentliche Gesundheit, Jakob Forssmed.
Kampf gegen die Endlos-Scroll-Falle
Die Sorge der schwedischen Behörden ist groß. Minister Forssmed betonte, dass man dabei sei, eine ganze Generation an den digitalen Sog des „endlosen Scrollens“ zu verlieren. Der massive Medienkonsum steht in Schweden zunehmend unter Kritik, da er laut offiziellen Angaben der schwedischen Medienbehörde für Schlafmangel, Konzentrationsstörungen und soziale Isolation bei Jugendlichen verantwortlich gemacht wird. Highschool-Schüler verbringen laut den vorliegenden Daten außerhalb der Schule durchschnittlich 6,5 Stunden täglich vor Bildschirmen.
Das geplante soziales Netzwerk Alterslimit soll diesen Trend stoppen. Die schwedische Strategie sieht vor, hierfür fortschrittliche Technologien wie das nationale BankID-System oder europäische digitale Identitäts-Wallets zu nutzen. Durch sogenannte Zero-Knowledge-Proofs soll das Alter der Nutzer bestätigt werden, ohne dass die Plattformen Zugriff auf sensible personenbezogene Daten erhalten.
Sicherheit und Kriminalitätsprävention
Neben der mentalen Gesundheit treibt auch eine schwerwiegende Sicherheitskomponente das Vorhaben voran. Schwedische Sicherheitsbehörden beobachten mit Besorgnis, dass organisierte Kriminalitätsnetzwerke soziale Medien verstärkt als Rekrutierungsplattformen missbrauchen. Jugendliche unter dem Strafmündigkeitsalter werden teils über digitale Kanäle für schwere Gewalttaten gewonnen. Ein striktes soziales Netzwerk Alterslimit wird daher auch als notwendiges Instrument der nationalen Sicherheit gewertet, um den digitalen Zugriff von Kriminellen auf junge Menschen zu erschweren.
Die Oppositionsparteien, allen voran die Sozialdemokraten, fordern über die bloße Altersgrenze hinaus die Einrichtung einer speziellen Cyber-Polizeieinheit. Diese soll proaktiv gegen Online-Kriminalität und Cybermobbing vorgehen. Die politische Unterstützung für das Vorhaben ist groß, auch wenn Kritiker vor einer Verlagerung der Jugendaktivitäten in unregulierte Räume des Internets warnen. Schweden orientiert sich mit diesem Schritt an internationalen Entwicklungen. Australien hatte bereits im Dezember eine weltweit beachtete Altersgrenze von 16 Jahren verabschiedet. Auch in Norwegen und Dänemark laufen derzeit ähnliche Gesetzgebungsverfahren, die das Ziel verfolgen, den Schutz von Minderjährigen im digitalen Raum durch ein soziales Netzwerk Alterslimit auf ein neues Niveau zu heben.
Die Implementierung des schwedischen Modells hängt eng mit den europäischen Vorgaben durch den Digital Services Act zusammen. Bis Ende 2026 müssen die Mitgliedstaaten klare Wege für die Altersverifikation aufzeigen. Schweden hat mit der Empfehlung einer 15-Jahres-Grenze die Debatte um ein verbindliches soziales Netzwerk Alterslimit nun auf nationaler Ebene konkretisiert.




























