BUDAPEST, 2. Juni (Berlin Morgen Zeitschrift) – Der ungarische Ministerpräsident Peter Magyar erklärte, er sei bereit, sich nächste Woche mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zu treffen, um nach dem Sturz seines russlandfreundlichen Vorgängers Viktor Orban bei den jüngsten Wahlen ein neues Kapitel in den Beziehungen aufzuschlagen.
Diplomatischer Neuanfang in Europa
Während eines Arbeitsbesuchs in Berlin betonte Magyar, dass ein Treffen mit dem ukrainischen Staatschef möglich sei, sofern die laufenden technischen Verhandlungen über die Rechte der ungarischen Minderheit in der Ukraine noch in dieser Woche zum Abschluss gebracht werden könnten. Der neue ungarische Regierungschef zeigte sich optimistisch, dass eine Einigung in diesen grundlegenden Fragen zeitnah erzielt werden kann.
Eine Verbesserung der bilateralen Beziehungen zwischen Ungarn und der Ukraine gilt als entscheidender Faktor für die weitere Unterstützung der Europäischen Union für Kiew im andauernden russischen Angriffskrieg. Unter der Führung von Orbán hatte Budapest die Auszahlung umfangreicher Hilfspakete sowie den EU-Beitrittsprozess der Ukraine wiederholt blockiert.
Fokus auf Minderheitenrechte
Die Gespräche über die Rechte der rund 150.000 in der Westukraine lebenden ethnischen Ungarn konzentrieren sich derzeit auf spezifische Anforderungen. Magyar betonte die Bedeutung dieses Themas bei einem gemeinsamen Auftritt mit dem deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz.
„Sofern wir tatsächlich eine Einigung über diese grundlegenden Menschenrechte erzielen, bin ich bereit, den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj Anfang nächster Woche zu treffen“, erklärte der ungarische Ministerpräsident.
Ziel der Verhandlungen ist es, klare Garantien für die Nutzung der ungarischen Sprache im Bildungsbereich sowie in Behörden zu verankern.
Kurswechsel in Richtung Brüssel
Nach seinem Amtsantritt hat Magyar bereits erste Erfolge in der Europapolitik erzielt. So wurde ein Abkommen zur Freigabe von 16,4 Milliarden Euro aus EU-Wiederaufbau- und Kohäsionsfonds erreicht, die unter der Vorgängerregierung aufgrund von Rechtsstaatsbedenken eingefroren worden waren. Zudem ebnete der politische Richtungswechsel den Weg für die Bereitstellung von 90 Milliarden Euro an EU-Hilfen für Kiew.
Die neue Regierung in Budapest strebt eine engere Bindung an die westlichen Partner an. Bundeskanzler Merz begrüßte diesen Kurswechsel ausdrücklich.
„Demokratie und Rechtsstaatlichkeit sind in Ungarn wieder stark“, sagte Merz.
Die nun angestrebte Einigung zwischen Magyar und Selenskyj könnte den Weg für die formelle Eröffnung der ersten Verhandlungskapitel für einen EU-Beitritt der Ukraine bereits im Juni 2026 ebnen. Während die technische Abstimmung auf Hochtouren läuft, signalisiert Budapest eine konstruktive Haltung, die den jahrelangen Stillstand im Verhältnis zu Kiew beenden soll.
Die diplomatischen Bemühungen Magyars beschränken sich dabei nicht nur auf Deutschland. Nach Besuchen in Polen und Österreich führt ihn sein diplomatischer Weg weiter nach Paris. Mit dem Ziel, die Isolation Ungarns unter Orbán zu überwinden, arbeitet die neue Administration an einer aktiven Einbindung in europäische Entscheidungsprozesse. Russland reagierte derweil mit Kritik auf den neuen Kurs in Budapest, was den Bruch mit der Politik der letzten sechzehn Jahre unterstreicht.




























