WASHINGTON, 4. Juni (Berlin Morgen Zeitschrift) – Das Pentagon hat Berichten zufolge seine Pläne zur Lieferung von Tomahawk-Marschflugkörpern an Deutschland aus Furcht vor russischen Vergeltungsmaßnahmen und einer Eskalation gestoppt. Diese Kehrtwende, Teil eines umfassenderen Rückzugs der USA aus ihren NATO-Verpflichtungen, lässt Berlin ohne wichtige Verteidigungsmittel zurück und belastet die langjährige Sicherheitspartnerschaft zwischen den beiden Nationen.
Stornierung von Lieferungen
Die US-Regierung plant Berichten zufolge die Stornierung eines geplanten Raketenverkaufs an Deutschland. Das Pentagon befürchtet offenbar, dass der Einsatz von Tomahawk-Marschflugkörpern auf deutschem Boden von Russland als Eskalation wahrgenommen werden könnte. Diese Entwicklung stellt eine deutliche Abkehr von den ursprünglichen Absprachen dar, die noch unter der Biden-Administration getroffen wurden.
Die Entscheidung ist Teil einer breiteren militärischen Neuorientierung der Vereinigten Staaten, die sich zunehmend aus festen Strukturen innerhalb der NATO zurückziehen. Neben dem Stopp der Raketenlieferungen hat das Pentagon bereits die Stationierung von 5.000 zusätzlichen US-Truppen in Deutschland abgesagt. Diese Maßnahmen zielen laut Verteidigungskreisen darauf ab, dass europäische Partner künftig die primäre Verantwortung für ihre konventionelle Verteidigung übernehmen sollen.
Verteidigungslücke durch fehlende Tomahawk-Systeme
Für die Bundesregierung in Berlin kommt der mögliche Rückzug zur Unzeit. Die Bundeswehr befindet sich in einem langwierigen Prozess der Modernisierung, um als Bollwerk gegen russische Aggressionen zu fungieren. Der geplante Ankauf von Tomahawk-Systemen sollte eine kritische Lücke in der Reichweite der deutschen Abschreckungsfähigkeiten schließen. Da Russland in der Exklave Kaliningrad Iskander-Raketen und in Belarus Oreshnik-Systeme stationiert hat, sehen sich deutsche Sicherheitsplaner einer akuten Bedrohung ausgesetzt.
„Wir haben vor anderthalb Jahren einen offiziellen Antrag an die Amerikaner gestellt, um Tomahawk-Raketen zu importieren, also zu kaufen, und wir warten immer noch auf eine Antwort“, erklärte Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius kürzlich in einem Interview.

Materialmangel und politische Spannungen
Hinter der Entscheidung des Pentagons stehen neben den geostrategischen Bedenken hinsichtlich Russland auch logistische Engpässe. Die US-Streitkräfte haben während der ersten Wochen des Konflikts im Iran enorme Mengen an Tomahawk- und Patriot-Raketen verbraucht. Verteidigungsminister Pete Hegseth wies bereits darauf hin, dass es Monate oder gar Jahre dauern werde, diese Bestände wieder aufzufüllen.
Zusätzlich belasten politische Spannungen zwischen Washington und Berlin die Kooperation. Die öffentliche Kritik von Bundeskanzler Friedrich Merz an der US-Strategie im Iran hat in den USA für Irritationen gesorgt. Beobachter werten die Absage der Raketenlieferungen und die Truppenreduzierungen auch als Konsequenz dieses politischen Zerwürfnisses.
Suche nach europäischen Alternativen
Angesichts der US-Zurückhaltung prüft die Bundesregierung verstärkt europäische Optionen für die weitreichende Präzisionsbewaffnung. Das Projekt ELSA (European Long-Range Strike Approach), an dem unter anderem Frankreich, Italien und Polen beteiligt sind, soll die Entwicklung eigener Marschflugkörper vorantreiben. Experten warnen jedoch, dass diese Systeme erst gegen Ende des Jahrzehnts einsatzbereit sein werden. Bis dahin bleibt für Deutschland eine schmerzhafte Sicherheitslücke bestehen, da aktuelle Alternativen wie Drohnen die spezifischen Fähigkeiten der Tomahawk-Systeme nicht vollständig ersetzen können.
Die sicherheitspolitische Lage in Europa verschärft sich durch diese Entwicklung spürbar. Während Polen versucht, direkte bilaterale Abkommen mit den USA zu schließen, um die eigene Sicherheit zu garantieren, wächst in den baltischen Staaten die Sorge vor einem Dominoeffekt durch den US-Rückzug aus Deutschland. Die kommenden Monate werden zeigen, wie schnell Europa in der Lage ist, die entstandene Lücke eigenständig zu füllen und eine glaubwürdige Abschreckung ohne die gewohnte US-Unterstützung aufzubauen.




























